Freitag, 4. April 2008

CarePakete















Carepakete sind die beste Erfindung seit Kinder von ihren Mamis flüchten. Früher gab es nur eine Mutter, aber in Zeiten von Patchworkfamilien muss man sich der Toleranz hingeben und einfach akzeptieren, dass manche Kinder nun mal zwei Mammis haben, die sich fragen, ob das Kind genügend zu essen bekommt.
Was eine sehr berechtigte Frage ist, wenn das Kind Freunde hat, die versuchen PanCakes mit Roggenmehl und Wasser zu machen. Aber darum soll es hier nicht gehen.
Hier soll es darum gehen, was dieses Paket Heimat, von der materiellen Seite und der Sinnhaftigkeit einmal abgesehen, wert ist.

Ich muss gestehen, dass ich den Moment des Öffnens immer hinaus zögere und versuche den Spannungsbogen sehr weit zu dehnen, dann kurz bevor er bricht, nochmal kurz Inne zu halten, Luft zu holen und erst nachdem sich der Inhalt offenbart wieder durchzuatmen. Ich werde immer an das Gefühl erinnert, dass wir hatten, als wir Kinder noch ans Christkind glaubten, den ganzen Tag bis zum Klingeln der Glocke hingehalten wurden und uns danach fast die Schädel einschlugen, nur um als erstes vor dem Christbaum zu stehen.

Das ist die Explosion, die Freude kommt erst jetzt, wenn ich sofort am Filzstift, der das Butterpapier der Salami beschrieben hat, erkenne, dass er aus der Medikamentenlade aus dem Küchentisch meiner Großeltern stammt. Mit welcher Sorgfalt mein Großvater die Buchstaben hinauf geschrieben hat. Ich das Rot der Tischbeine und die an ihnen entlang geronnenen, angetrockneten Lacktropfen vor mir sehe, die ich immer versucht habe abzukratzen. Ich das Butterpapier abziehe und am spitzeren Ende der Wurst weiß, wie das meine Großmutter immer gemacht hat. Der Sack Nüsse mich daran erinnern, dass mich meine Großmutter immer vom Tisch jagte, wenn sie mich beim Versuch, die schon gekiefelten Nüsse zu entwenden, erwischt hatte. Bei den Nougatherzen hör ich den Siegiopa sagen: "Ja Taubale wie gehts da denn?" und die Siegioma "Magst noch a bissl was?", nachdem ich zum dritten Mal gesagt habe, ich kann nicht mehr. Ich hätte nie gedacht, dass einem Vollkornspaghetti dazu motivieren können, sofort für seine Lieben kochen zu wollen und ich das Bild eines gestressten Herzschlagfinishs für ein Siebengängemenü vor mir habe, oder, meine Mama nicht versteht, wieso man Fear and Loathing in Las Vegas lustig finden kann. Ich könnte noch unzählige andere Eindrücke aufzählen, die mir diese Carpaket in den Kopf gezaubert hat......

worauf ich aber eigentlich hinaus wollte, dass Carepakete ein gutes Mittel für Mütter sind, ihre von Fernweh geplagten Kinder, wieder daran zu erinnern, dass es einen Ort auf der Welt gibt, an den man immer wieder zurückkehren kann, man immer willkommen sein wird, egal wie lang man weg war. Dass es einen Platz gibt an dem man nach Hause kommen kann, ohne fragen zu müssen, wie lange man bleiben darf.......

und dass Mütter, 2 vom Äther geschädigte möchtegern Aufreißer nicht komisch finden können, werd ich immer wieder verzeihen, denn sie schicken ja schließlich CarePakete und nichts anderes...




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